Ruder-Club Witten von 1892 e.V. Ruder-Club Witten von 1892 e.V.

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1996 Olympische Spielein Atlanta / USA

 

Marc Weber bringt erstes olympisches Silber zum RCW

War das eine Saison für den Deutschland-Achter und für unseren Marc Weber! Als Titelverteidiger lag natürlich ein gewisser Druck auf der Mannschaft, denn der National-Achter ist nun einmal das Aushängeschild im Ruder-Rennsport. Er ist aber eben auch, jedenfalls in Deutschland, ein Muster für einen erbarmungslosen Kampf der Aktiven um einen Stammplatz. An Bewerbern fehlt es in keinem Jahr. Das gilt im Prinzip für jede Sportart. Aber nirgendwo sind die Auswahlkriterien so hart wie für den Deutschland-Achter unter seinen Trainer Ralf Holtmeyer.

 

Wir haben in den letzten Clubnachrichten das ausführlich aufgezeigt. Und wie zur Bestätigung: Kaum hatten wir die Ausgabe fertiggestellt, da war der Bericht schon wieder Makulatur. Denn nach einem miserablen Start auf der internationalen Regatta in Köln und noch mehr in Duisburg entschloß man sich zu einem radikalen Umbau. Vier gerade erst nominierte Ruderer wurden wieder ausgeladen und durch einen bereits gut harmonierenden Vierer ersetzt. Insgesamt wurden sogar acht Ruderer ausgewechselt. Das hat viel Unruhe gebracht. Viele kritische Stimmen halten diese überaus rigorosen Auswahlentscheidungen nicht für gut. Ob es der Leistungsbereitschaft dient, von heute auf morgen ohne jede Vorwarnung ausgetauscht zu werden, ist fraglich.

Auch die neu Nominierten stehen unter großem Erfolgsdruck, dem nicht jeder gewachsen ist. Selbst Marc Weber war nie ganz sicher, ob er seinen Platz behaupten könne. Wie auch immer: Der neu geformte Achter konnte sich im Trainingslager in Breisach stabilisieren, wurde Deutscher Meister, und bewies auf der Rotsee-Regatta trotz immer noch deutlichem Abstand auf Holland mit seinem dritten Platz eine ansteigende Form, die auch für Atlanta hoffen ließ.

 

Und diese Hoffnung trug auch nicht. Schon der Vorlauf zeigte, daß der Achter in der Weltspitze wieder mithalten konnte. Zwar mußte man als zweiter hinter den USA ins Halbfinale, doch der Endspurt offenbarte, was in der Mannschaft steckt. Man hatte den Eindruck, daß er einfach zu spät angesetzt worden war. Dieser Eindruck bestätigte sich im Halbfinale und erneut im End­lauf. Die Meinungen über einen Platz auf dem Treppchen waren nach den ersten beiden Rennen geteilt, es gab nicht wenige, die das nunmehr für möglich hielten. Und sie sollten recht behalten.

 

Mit einem hervorragenden Start setzte sich unser Boot an die Spitze, die bis fast 1500 m auch gehalten werden konnte. Doch dann gingen die hochfavorisierten, in dieser Saison noch ungeschlagenen Holländer nach vorn und siegten schließlich mit fast zwei Sekunden Vorsprung. Rußland gewann Bronze.

Die Holländer stellten das überragende Boot, ihr Olympiasieg stand im Grunde schon vorher fest. Dem Deutschland-Achter aber gebührt das Verdienst, diesem Favoriten das Leben so schwer wie möglich gemacht zu haben. Die vor dem Finale ebenfalls hoch gehandelten Amerikaner und Kanadier spielten in diesem Endlauf jedenfalls keine Rolle. Australien wurde letzter.

Nimmt man alles in allem, so war Atlanta ein Erlebnis. Die wohl bekannten Schwächen spürten auch unsere Ruderer. Die Eröffnungsfeier war tatsächlich mit zahlreichen Pannen durchsetzt. Die tägliche Anreise vom olympischen Dorf zur 90 Km entfernten Regattastrecke war auch nicht das gelbe vom Ei. Am ersten Renntag, dem Vorlauf, beeinflußte das Klima mit 35 Grad C und 90% Luftfeuchtigkeit das Wettkampfgeschehen. Später wurde es erträglicher. Aber die Stimmung unter Aktiven und deutschen Schlachtenbummler war gut. Ein Höhepunkt war ein Hubschrauber-Rundflug der Achter-Mannschaft über Atlanta und ein Barbecue mit den Angehörigen auf Einladung einer amerikanischen Familie.

Ende gut, alles gut! Es war ein großartiger Erfolg in einem hochwertigen, ehrgeizigen Teilnehmerfeld. Und Marc Weber hatte seinen Anteil daran! Wir gratulieren ihm sehr herzlich zur olympischen Silbermedaille! Wir wünschen und hoffen, daß er auch in den kommenden Jahren zu den Besten der Welt gehört und weiter ganz vorn mitrudern kann.

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