Ruder-Club Witten von 1892 e.V. Ruder-Club Witten von 1892 e.V.

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2000 Auf dem Vierwaldstättersee mit der Barke

 

Ein "Grüezi aus der Schweiz"
 

Noch ist der Gleichgewichtssinn nicht richtig wiederhergestellt, denn die auf der Englandreise ausgeheckte Barkenfahrt ist gerade zu Ende gegangen. Sie hat also wirklich stattgefunden! Wieder mußten einige Briefe und Faxe die Vorbereitungen unterstützen, um zum Ziel zu kommen. Dann endlich konnten einen Tag zuvor wieder etliche Vorräte ( leckere Sachen für das leibliche Wohl, wie auch einige vielleicht in Frage kommende Ersatzteile und Flaggen ) in den schier unermeßlich scheinenden Bauch unserer Barke „Graf Schöneberg“ wandern.

5°° Uhr! Pünktlich am nächsten Morgen rollte unser Bus „Marianne – Tina“, besetzt mit 9 Reise- und Ruderbegeisterten vom noch stillen Bootshausgelände. Irgendwo dann hinter Frankfurt wird unser Begleitfahrzeug mit Hans und Willy über Handy an den bereits gedeckten Tisch auf einen Rastplatz gelockt, was wichtig war, denn die bei Willy bestellten Frikadellen fehlten noch zu unserem Glück. Bei lachender Sonne geht es dann weiter Richtung Süden. Um 13°° Uhr knöpft uns ein netter Schweizer Eidgenosse 3 mal 40 Fränkli ab, und zügig ohne jeden Stau erklimmen die Gefährte die Höhen gen Luzern, weiter bis nach Beckenried. 15°° Uhr ist unser Ziel „Hotel Rössli“ erreicht, und schon beginnt der Kampf um einen Stellplatz für die Barke. So ein Riesengefährt hat man nicht erwartet. Selbst Kur- und Gemeindeverwaltung wissen nicht sofort Rat. Vielleicht am Segelhafen? Auf der Fahrt zum Segelhafen sprechen „Sir“ Helmut und Siegfried zufällig einen Herrn an. Der kann unser Problem sofort lösen, denn „Hugo Baumgärtner“ hat alles, was wir brauchen. Stell- und Lagerplatz direkt am Wasser – abgeschlossen. Liegeplatz für die Barke? Kein Problem! Dann wird eben ein Boot aus dem Wasser gezogen und so Platz geschafft. Klar, daß wir begeistert sind und ebenso klar, das Gelände gehört Hugo, wie wir ihn später nennen dürfen. Nach diesem gelungenen Einstand mundete das fantastische Essen am Abend vortrefflich, begleitet von einigen Stangen Panache (Alster) oder Bier. Erst spät finden wir in unsere Betten.

Um 8°° Uhr sind alle wieder flott! Das bereitgestellte Frühstück schmeckt dem gutgelaunten Ruderhaufen bestens. Besonders die verschiedenen, frischen Brötchen und der einheimische Käse finden so reichen Absatz, daß die anderen Hotelgäste nicht zu lange mit dem Zugreifen warten dürfen. 9°° Uhr, der Troß bringt den Bus zum Ruderclub Reuss Luzern, während die Übrigen die Barke zu Wasser lassen und zum Start klar machen. Mit einem Glas Sekt auf gutes Gelingen und einem 3- fachem „Hipp Hipp Hurra“ stechen wir in See ( größte Tiefe 214m ). Am Hotel vorbei und dann Kurs auf die Untere Nase, der mit 800m schmalsten Durchfahrt des Sees. Nur langsam gewöhnt man sich an Entfernungen und das unbekannte Wasser. Die umliegenden Berge und die steilen Ufer lassen alles so gewaltig erscheinen. Rythmisch tauchen die Blätter in das tiefblaue Naß, um uns gen Bürgenstock zu bringen, begleitet von alten Raddampfern und anderen Ausflugschiffen. Vom Wasser aus erscheint der gläserne Aufzug zum Bürgenstock, wie auch die Zahnradbahn winzig. Wie winzig müssen wir auf die Besucher dort oben wirken. Wir legen kurz an, schaffen Platz für das Mittagsmenue und nehmen ein kleines Sonnenbad. Mit Sir Helmut und Helmut II am Schlag rudern wir an den netten Orten Kastanienbaum und St. Nikolaus vorbei gen Luzern. Über uns zeigt die Schweizer Luftwaffe ihr Können, sowohl mit Kampfjets, Propellermaschinen, wie auch mit Hubschraubern. „Hier geht`s lang!“ „Das braune Gebäude ist das Bootshaus!“ Zwei nette Damen in ihren Kanus lösen das Rätsel. Die Richtung stimmt – Ziel erreicht. Mit dem Bus fahren wir zum Hotel zurück. Abendessen 19°° Uhr. Ursula hatte in der gemütlichen Gaststube eindecken lassen. Nach dem Schnellduschen und einem kurzen Nickerchen sind Rösti, Fischli und Salätli gefragt. Mit viel Gelächter werden die Geschehnisse des Tages aufgearbeitet, bis die Ersten den Weg in die Falle finden.


Am nächsten Morgen muß jemand den Wettergott verärgert haben, es gießt in Strömen und die Berge sind mit tiefgrauen Wolken verhangen. Trotzdem schwärmen wir pünktlich aus, um am Bootshaus Reuss zu erkennen – keine Änderung in Sicht. Also Landgang in Luzern! Die Companie der bunten Schirme bewegte sich, unter Führung von Oma und Opa Weltmeister Grabow Richtung Kapellbrücke, City, Altstadt, Reussauslauf, neuer Bahnhof, Stadtkirche usw. durch Luzern. Natürlich wurde alles gesehene im Bild festgehalten. Zum Ende des Rundgangs stand eine Besichtigung des neuen Hauptbahnhofes auf der Agenda. Das hatte zwei praktische Gründe: zum einen konnte für das Patenkind von Irmgard – Willy ein Zug Richtung Heimat erfragt werden, zum anderen wurden WC`s gesucht. Zugabfahrt und WC wurden gefunden. Auskunft kostenlos – WC 2 Fränkli ( zu teuer, zu ..... ). Anschließend findet eine kleine Rundfahrt über Küssnacht statt.

Am Ruderclub Rigi, identisch mit dem Schwimmbad, freut sich der Pächter über unseren Besuch. Einige Tassen Kaffee, Apfelmost, Eis und für Klaus einige Plätzchen sind wohl der einzige Umsatz des Tages, wo sonst sich viele Badegäste tummeln. Von Gersau bringt uns eine Autofähre, nach vorherigem Kirschstein - Weitspucken, an der Ober – Nase zum Rössli zurück. Der Hotel - Prospekt sagt die Wahrheit. Im Mittelpunkt des Dorfes ist es am Abend gerammelt voll. Mitten drin die Rudertruppe aus Witten.


Samstag! Alles zur gewohnten Zeit! Mit wohl gefüllten Bäuchen besteigen wir, nach einem kräftigen Schauer, das am Steg verzurrte Rudergefährt. Nehmen noch den obligatorischen Trunk ein, und verabschieden uns vom RC Reuss – nicht bevor Klaus noch zwei pitschnassen Ruderdamen beim Aussetzen hilft, aber nur bis zur Duschtür! Die bunt gekleidete Crew legt sich mächtig in die Riemen, um ein Ausflugschiff zu begleiten. Dabei rudern wir vorbei am Verkehrshaus ( ein sehr bekanntes Museum ), nach Seeburg und Meggenhorn ( Christusstatue ). Die Einfahrt zum Küssnachter See wird bei hohem Wellengang passiert, während über uns das Fliegen eifrig geübt wird. Hertenstein, Weggis und wieder wechselt die Mannschaft. Der Bordchor stimmt mehrfach Lieder an, und duselige Randbemerkugen sorgen für Heiterkeit. Vitznau wird erreicht. Die großen Wasserfälle rauschen zu Tal und enden im See. An der Ober – Nase wird kontrolliert ob die gespuckten Kirschkerne vom Vortage bereits angegangen sind. Vor Gersau wird noch einmal angelegt, um dringende Berieselungsarbeiten vorzunehmen. Dümpelnd, mit herrlichem Rundblick auf die teils weißen Berggipfel wird gleich der frei gewordene Platz in unserem Inneren wieder aufgefüllt. Dann haben die nun Ruderfaulen Mühe, noch in „Hugo`s Schutzhafen“ einzulaufen, um neben teuren Yachten unser behäbiges Schnellboot fachgerecht zu vertäuen. Am Abend, durch eine einheimische Jodler – Gruppe annimiert, spielt unsere Bord – Band auf und der Bord – Chor singt aus seinem reichhaltigem Repertoir oft gehörte Weisen.


Sonntag – Regattatag auf dem Rotsee!! Hier werden bei allen Nationen die Fahrkarten zu den Olympischen Spielen vergeben. Auf einem riesigen Bildschirm konnten die Geschehnisse vom Start bis ins Ziel verfolgt werden. Der Himmel spendet wieder das köstliche Naß. Die Schirme müssen ständig ihre ganze Farbenpracht entfalten, während die Schuhe in Match und Schlamm versinken. Eintrittskarten für Rentner werden erstanden, dann stürzen wir uns in das Ragattagetümmel, in dem wir bald Klaus Skiba, Iwan Reeder, und Stephan Locher erspähen. Zunächst verfolgen wir die Rennen der Schul – und Universitätsmannschaften, sowie eine Drachenbooteinlage.

Nach der Pause, inzwischen mit Strohhüten und reichlich Erdnüssen der namhaften Feldschlösschen Brauerei versehen, reißen uns die packenden Rennen mit internationaler Beteiligung mit. Leider sind die Ergebnisse aus deutscher Sicht nicht berauschend. Lediglich die Skullboote machen da einige Ausnahmen.

 

Die Ausstellungen der Bootswerften und Sportbekleidungsfirmen finden unsere ganze Aufmerksamkeit, doch die Berge von Fränkli zum Kauf haben wir zufällig leider nicht dabei. So reicht es immerhin zu einem Sitzkissen für Willy und Christa. Mit müden Augen und wehen Füßen kehrten wir gegen Abend in unser Hotel zurück. Heute haben wir zum Abendessen einen, nein zwei Gäste – unser hier schon oft erwähnter „Hugo Baumgärtner mit seiner netten Frau“. Es wurde für uns alle ein interessanter Abend, an dem viele Informationen ausgetauscht wurden.



Am nächsten Morgen – was ist das ? Hell und warm lacht die Sonne vom Himmel. In der Veranda, mit Blick auf den See und die Berge, finden die Köstlichkeiten unserer Wirtin reißenden Absatz. Bald darauf findet man die Wohlgelaunten an Bord, um, wie sich herausstellte, einen der schönsten Tage zu beginnen. Der schöne Urnersee soll befahren werden.

Zuvor hat uns „Hugo“ zur Besichtigung seines Schwimmbaggers eingeladen. Wir rudern erwartungsvoll einige Kilometer zu ihm hinaus. Schon von weitem sieht man den Bagger im Wasser liegen, denn er ist ein wahres Ungetüm. Mit der Schweizer Nationalflagge winkt uns Hugo an die richtige Anlegestelle. Mit „Hallo“ und „Hipp, Hipp, Hurra“ geben wir unseren Einstand, inklusive des eigens verlegten morgendlichen Umtrunkes. Kanute Hugo ( er fuhr 1998 in nur 17 Tagen von Beckenried bis Hamburg – allein ) erklärte uns als erstes den Steuerstand. Von hier aus werden alle Vorgänge zentral gesteuert und überwacht. Wir erfahren und sehen wie aus 146m Tiefe Geröll mit Sand vermischt aus dem See gebaggert wird. Ein Greifer fördert dabei 7 bis 9m³. Sand und Kies werden über Wäschen und Rüttelstrecken getrennt. Der Kies über Brecher in 3 Körnungen geteilt. Bereit liegende Lastkähne, von denen jeder bis zu 750 Tonnen fassen kann, bringen das Material zur direkten Verarbeitung ins Betonwerk oder zu einem Lagerplatz.

 

Nach so viel Technik macht das Rudern wieder Spaß. Wir rudern bis zum Eingang des Urnersees, wo uns ein verwaister Steg zur mittäglichen Rast einlädt. Von gegenüber grüßt uns der Schillerstein. Sir Helmut mahnt zum Aufbruch. Hier, an der engsten Stelle zur Einfahrt in den Urnersee, setzt pünktlich um 11°° Uhr der Fallwind von den Bergen ein, und eine kleine Brise weht schon. Die Berge werden höher und gewaltiger. Passagiere von vorbeifahrenden Schiffen winken uns zu, Surfer ziehen ihre Bahn. Sisikon, an der Achsenstraße, liegt, genau wie die Tellsplatte mit der Kapelle, im Sonnenschein. Der Wind nimmt zu und wird immer heftiger. Wir müssen uns ganz schön in die Riemen legen. Doch der Seeclub Flücken ist nicht mehr weit und bald erreicht. Die Barke kann am Anlieger liegen, fachmännisch vertäut von Willy und Klaus. Durch einen 9250m langen Tunnel bringt uns der Bus zum Hotel zurück.

Wer aus dem Urnersee zurückrudern will, der muß natürlich vor 11°° Uhr den Engpass passiert haben. Das aber hieß früher raus aus den Federn. Keiner murrte, alle waren pünktlich. So konnte der letzte Rudertag beginnen. Wir wechselten für die Rückfahrt ans gegenüberliegende Ufer. Eng an die Felsen gepreßt, mogelten wir uns gen Rütli, denn der Wind hatte schon wieder eingesetzt und erzeugte ständig zunehmende Wellenberge mit hübschen weißen Schaumkronen. Mit einem Ruderboot unmöglich durchzukommen. Gegen 12°° Uhr sind wir etwas erschöpft in der Höhe von Treib. Geschafft! Anlegen? – unmöglich, also raus auf den See. Dort, mitten auf dem See in der Sonne, genossen wir dann die Mittagsrast. Aber einmal ist auch die zu Ende und wir rudern zu unserem Heimathafen zurück. Mit der eingespielten Crew ist das Verladen der Barke kein größeres Problem. Den Betreuern vom Ruderclub Reuss überreichen wir zum Dank ein bemaltes Ruderblatt. Dann heißt es zum letzten Mal Abendessen. Auch der Wirtin überreichen wir ein bemaltes Ruderblatt als Dank für die gute Bewirtung. Die bedankte sich mit einer Runde Eiscrem.

Noch einmal Schlafen, Frühstücken und dann heißt es Abschied nehmen. Doch halt, vor der Abfahrt bekommt jeder vom Hotel als Abschied noch einen gut riechenden Kaas im Tuch, sowie ausreichend Kaffee. Abfahrt 9.15 Uhr – Ankunft 19.03 Uhr. Wieder eine herrliche Ruderwanderfahrt mit einer tollen Truppe. Herzlichen Dank!!


Siegfried und Ursula Knoop

Die Truppe: H. W. Brück, H. u I. Grabow, K. u B. Hebestreit, S. u U. Knoop, H. u B. Lingnau, Chr. Schöneberg, W. Thorlümke.

 

Und hier sind die Fotos

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