Ruder-Club Witten von 1892 e.V. Ruder-Club Witten von 1892 e.V.

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1986 AH-Weserachter (der 2.)

 

Die Wanderruderer immer schneller:

Mit „Molls-Junge“ erneut auf der Weser / von Hann-Münden bis Bodenwerder

Im letzten Jahr konnten wir die Premiere feiern:
Ein Gig-Doppel-Achter auf der Weser — ein auch von den Anrainern und zufälligen Zuschauern an der Weser mit einer gewissen Aufmerksamkeit beachtetes sportliches Unterfangen.

Als Etzel diese Wanderfahrt für 1986 neu auflegte, waren 15 Ruderkameraden spontan begeistert und sagten ihre Teilnahme zu. Dann schlug das Wanderfahrt-Syndrom zu: Je näher die Fahrt — desto geringer die Teilnehmerzahl. Ein Ruderkamerad nach dem anderen mußte seine Teilnahme absagen, wie Schnee in der Sonne schmolz der Bestand.

Als die Anzahl der Willigen bei sieben angekommen war, trösteten wir uns, daß ein Vierer ja auch eine schöne Bootsklasse ist, gleichzeitig aber begannen ungeahnte Werbekräfte zu wirken, am Tag der Abreise (17. 10.) stand fest, daß zwölf Unentwegte die nicht gerade einfache Fahrt machen wollten — nicht gerade einfach war die Fahrt, da für den ersten Fahrtentag 110 km auf dem Programm standen — und für den zweiten Tag offenes Ende geplant war, aber nicht unter 80—90 km.

Günstig wirkte sich aus, daß Dieter der Bus-Beauftragte der Fahrt war und mit einem Zollstock umgehen kann. Da das Zugfahrzeug ein von der Firma Stratmann entliehener Bus war, maß er schlicht die Bushöhe, verglich mit der Höhe der Achterunterkante und siehe da, der Bus war zu hoch — ein Schleppen des Achters unmöglich. Da Wanderfahrer um Ausreden zu Hause und Umdispositionen bei der Fahrt nie verlegen sind, zeichnete sich die Lösung mit den Worten: „Etzel, Du hast doch an Deinem Pkw eine Hänger-Kupplung“ bereits deutlich ab. Geplant — realisiert, Etzel machte den Bootstransport, Dieter besorgte und fuhr den Mannschafts-Bus.

Da der Bus für die Spedition des RK Stratmann noch Geld verdienen mußte, verzögerte sich die Abfahrt geringfügig von 18.00 auf 20.00 Uhr, dafür wußten wir aber, daß die mitgebrachte Flüssig-Nahrung der Ruderkameraden durchgehend sehr schmackhaft war, aber auch stark ersatzbedürftig.

Bis auf den Umstand, daß bei unserer Ankunft in Münden der Koch bereits Feierabend hatte und lediglich noch zu kalten Schnittchen zu überreden war, klappte dann bemerkenswert vieles wie geplant. Der Transport verlief ohne Zwischenfälle, das Hotel wurde gefunden und war gut. Die Stimmung der Mannschaft war bombig.

Am Samstag waren wir pünktlich um 8.00 Uhr an der Einsatzstelle, die Weser hatte extremes Niedrigwosser, das Einsetzen war nicht ganz einfach, aber mit Geschick und Erfahrung wurden Schäden am Boot, Ruderern und Ufer ver­mieden.

Erst einmal auf dem Wasser, ging dann alles wie geschmiert. Eckhard übernahm den Schlag, der Troß fuhr zur vereinbarten Wech­selmarke, alle 25—30 km stiegen drei Ruderer aus und drei Troß-Fahrer übernahmen ihre Positionen. Die Städtchen Reinhardshagen, Gieselwerder, Bad Karlshafen wurden passiert; in Beverungen wurde eine kurze Mittags­pause eingelegt — dann ging es weiter über Höxter, Holzminden, Polle bis zum ersten Tagesziel in Bodenwerder.

Als das Boot an Land war und wir alle losen Teile verstaut hatten, war es stockduster und 18.00 Uhr. In exakt zehn Stunden hatten wir einschließlich Pausen unsere geplanten 110 Kilometer geschafft. Nach Erreichen der Pension und Verteilung der Zimmerschlüssel kam für Uneingeweihte eine zunächst unverständliche Hektik auf. Die Auflösung des Rätsels kam dann recht bald — die Pension hatte nur für die drei bis vier (je nach Körpervolumen) schnellsten Duscher warmes Wasser — sauber sind aber alle geworden.

Der Abend beim Griechen war hervorragend — das Essen war gut und alle Ruderkameraden, die aus einem der ca. 7000 möglichen Gründe zu einer Runde verdonnert waren, kamen ihrer Pflicht, diese ohne Murren zu zahlen, ungemahnt nach.

Der Sonntag sah elf (Eckhard mußte am Samstag wieder zu Hause sein) erholte und tatendurstige Ruderer bei heizunggsgerösteten Brötchen am Frühstückstisch sitzen. Bei Ei, Schinken und Kaffee war der Blick auf den Tisch äußerst erwärmend und erfreulich — nur aus dem Fenster durfte man nicht sehen — es regnete nicht — es plästerte.

Da das Wetter aber bekanntlich am Steg gemacht wird, fuhren wir zum Liegeplatz unseres Achters — aber nur, um nach Einschätzung der „Wasser“-Lage zu erkennen, daß nach spätestens zwei Ruder-Kilometern keiner mehr einen trockenen Faden  am Leib gehabt hätte —ob mit oder ohne Ölzeug.

Nach kurzer Beratung wurde verladen und die Fahrt abgebrochen — die Weisheit des Alters kann es wohl nicht gewesen sein, was uns zu diesem Schritt veranlaßte, höchstens die Gewißheit, daß das, was 1986 nicht realisiert werden konnte — am zweiten Tag eventuell bis Minden zu kommen, jetzt als Ansporn für 1987 vor uns liegt.

Udo Kemmer

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