Ruder-Club Witten von 1892 e.V. Ruder-Club Witten von 1892 e.V.

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1985 AH-Wanderfahrt auf der Ems

 

Von Listrup bis Leer oder  eine Ruderfahrt ans Meer

Am 5. Juni ging es los
die Crew war neunzehn Männer groß
zur Ems noch Listrup sollt es gehn
und noch war auch das Wetter schön.
Der Jüngste war mit 26 Jahren
auf Wanderfahrt noch unerfahren
darum war es sehr geraten
ihm zu geben einen Paten
in diesem Fall am besten Lutz!
Er sei dem Burschen Schutz und Trutz
da er in 88 Jahren
vom Rudern allerhand erfahren.
In Listrup dann schnell startklar machen
verdammt nochmal, wo sind die Sachen?
Hinein ins Boot und abgelegt
schnell hat die Unruh‘ sich gelegt.
Bald heißt es dann Pullover aus
man hält‘s vor Hitze kaum noch aus.
Und weiter, Einsatz achten
in Lingen könnt ihr übernachten.
Dort steht die Wanderrudermaid
zum Gruß für unsre Crew bereit
sie strahlt beim Anblick uns‘rer Schar
bemüht sie sich doch Jahr für Jahr
den WSV auf Tour zu bringen
doch will‘s in Lingen nicht gelingen.
Die wollen doch nicht mal nach Meppen
da in der Ems so viele Treppen.
Auf diesem Emsstück war, oh Schreck
in manchem Boot schon mal ein Leck.
Auch aus ist schnell der schöne Traum
wenn unter Wasser liegt ein Baum
drum riet man uns, noch bleich vor Schreck
Ihr lieben Witt‘ner, bleibt da weg.
Doch hatten wir dies klug bedacht,
den Wanderführer mitgebracht.
Da steht, die Spundwand quer im Fluß
die hält‘ ein Loch, durch dieses muß
man, Mannschaft raus, das Boot nun halten
sanft treideln, doch laßt Vorsicht walten!
Das erste Boot kommt ganz in Ruh,
doch ist die Treidelstelle zu.
Da hängt das Boot schon über‘m Wehr
das alte Buch, es stimmt nicht mehr.
Drum merke Dir, eh es zu spat:
ein Buch vom Antiquariat
nimm nie! Schau lieber vorher an
was man am Ort so machen kann
‘s ist schöner, mal ein Boot zu tragen,
als zu riskieren Kopf und Kragen!
Das Boot blieb heil, es ging noch gut
und weiter ging‘s mit frohem Mut.
Am nächsten Wehr, zum Ufer lugend,
traf man die Meppner Ruderjugend
wir war‘n nun schlau und trugen um.
Wer bleibt nach der Erfahrung dumm?
Der Meppner Ruderclub stand offen
so konnt man auf Erquickung hoffen
doch leider war kein Mensch zu sehen
weshalb wir nicht im Gastbuch stehen.
In einer Wirtschaft, alt und bieder
da fand sich uns‘re Crew dann wieder
weil Donnerstag und Stammtisch war
war‘s mit dem Underberg schon klar
bei uns ist das so Tradition
da lohnt sich dann ein Anruf schon
der Präsident im Club in Witten
der läßt sich auch nicht lange bitten
durch‘s Telefon klingt‘s hell und rein:
ein Prosit und Ruck-Zuck-Hinein.
‘Ne Runde Korn, ‘ne Runde Bier so
langsam wächst die Stimmung hier.
Die alte Wirtin kann nicht flitzen
drum muß sie Klaus schon unterstützen.
Wer selbst ‘ne Kneipe hat wie er
bringt Korn schon etwas quicklier.
Wir hatten heut doch wirklich Dusel
drum immer rein mit diesem Fusel.
Auch der Gesang kommt nicht zu kurz
sauft Dactilus, deutsch: lang, kurz, kurz .
Spät sinken wir in unser Bett,
der Abend war doch wirklich nett.
Am nächsten Tag wird frisch gerudert
und fühlt man sich auch sehr verludert
weil‘s heute doch bis Steinbild geht
wo unser Bus bereit schon steht
und ab nach Osten, Clemenswerth
das sei schon eine Reise wert.
In Sögel wird sehr gut gegessen
und lange noch beim Bier gesessen
am nächsten Morgen dann Kultur
man kann nicht immer rudern nur.
Ein Wittelsbacher Fürstbischof,
der Clemens-August hielt hier Hof
hier wurd‘ gejagt per Pferd und Meute
mit Gästen, das war‘n hohe Leute
drum ließ er sich vom alten Schlaun
ein Schloß mit Gästehäusern bau‘n
die steh‘n in Runde so um‘s Schloß
daß zwischen ihnen durch man schoß
weil keines in der Schuß bahn steht
es einfach mit dem Jagen geht.
Die Dienerschaft kann bei Gelagen
den Nachschub schnell nach Hause tragen.
Nach dieser Visitation
mahnt Heinrich auch zur Eile schon.
In Papenberg schleust man bis acht
am Ruderclub hält man schon Wacht.
Geschafft die Schleuse, rein zum Club
und ab, per Auto mit dem Trupp.
Nach dieser Rackerei und Qual
schmeckt uns das opulente Mahl
ein Bier noch und dann in die Falle
denn langsam sind die Kräfte alle.
Denn morgen wird die Ruderrecken
der Wirt schon früh um sechs Uhr wecken
um acht Uhr werden wir geschleust
weil nun der Zielpunkt Leer schon heißt.
Wir laufen mit der Tide aus
doch warum, ach, oh Schreck oh Graus
sind wir bei Kilometer zehn
wie ist denn das nun zu verstehn?
Im Wanderbuch stehn and‘re Zahlen
sind das schon wieder neue Qualen?
Ziffern für die Seeschiffahrt
ja wo war denn da der Start?


Weiterrudern, Obacht doch
dann geht‘s mit Zeus die Leda hoch.
Steuerbord liegt in ‘ner Bucht
ein großes Schiff, was das da sucht?
Schau mal rum, ist was zu sehn?
Nein! Dann laß es weiter gehn.
Unter einer Brücke her ?
Gleich sind wir im off´nen Meer!“
Segelboote überall
wohl Regatta, klar der Fall.
Polizei weist uns den Weg
weit und breit kein Rudersteg.
Steuerbord voraus zwei Bauten
hinterm Deich herüber schauten
das muß wohl ‘ne Schleuse sein
na, dann laßt uns da mal rein.
Nichts, als wäre es zugenäht
längs der Ems der Deich nur geht.
Leichter Schaum krönt längst die Wogen
Nur Disziplin — wie anerzogen!
Wo geht‘s nach Leer, nur Schulterzucken
die müssen wohl nicht recht mehr tucken.
Polizei kommt, stoppt das Boot
ihr seid wohl in großer Not?
Woll‘n nach Leer, wo geht‘s da rein?
Ja, das kann doch wohl nicht sein —
schon fünfzehn Kilometer weiter
seid ihr, das ist ja wirklich heiter
hängt Euch an mit Eurem Trumm,
wir schleppen Euch nach Oldersum.
Gemacht, getan, der Motor summt
das Gespräch ist längst verstummt.
Nach Back und mitten auf die Ems
hüpft das Boot wie eine Gems‘.
In die Wellen, meterhoch
zieht uns die Polente doch?
Hinterm Schlauchboot frisch und munter
ging der „Little Jack“ dann unter.
Ernst schrie: „Leute, ich werd‘ nasser,
schnell und schneller stieg das Wasser.
Plumps, da geht der Rollsitz unter
ei, was wird die Crew da munter
raus und in die trübe Flut
ach, was tut das baden gut
nur vom hohen Steuersitz
staunt der Werner, ei, potz Blitz
nur ruhig Jungs, ihr seid mir teuer
haltet fest, weil ich noch steuer!
Nach dem ersten Schreck und Graus
holt uns die Polente raus
triefend sanken wir ins Boot
vorüber war die gröbste Not
hinter uns in Emses Fluten
kann man „Little Jack“ vermuten.
Da „Gymnasium“ steuerbords
ach, was rackern da die Lords
stehn im Schlick und ziehn an Land
was als schnellstes Boot bekannt.
Dahin zieht doch „Little Jack“
die ziehn  den auch noch aus dem Dreck
rüber erst auf die Barkasse.
Habt ihr nicht ne‘ warme Tasse?
Kaffee, Tee, das tät uns gut
langsam kommt schon neuer Mut.
Ruft mal an beim RV Leer
die schicken sicher Hilfe her.
Steuerbord voraus zwei Boot‘
mit ‘ner Flagge weiß und rot.
Das sind „Etze!“ und ‚Westfalen“
rudern aufwärts unter Qualen.
Über Mikro informiert
was mit uns hier grad passiert
dreh‘n sie um und folgen stumm
uns zum Hafen Oldersum.
Rein ins Schlauchboot und an Land
wo man schnelle Hilfe fand.
Denn von Leer kam ohne Ruder
ein Leeraner Ruderbruder.
Rein ins Auto, ab nach Leer
denn jetzt fehlt ‘ne Dusche sehr
rechts liegt schon am Straßenrand
„Gymnasium“, uns wohl bekannt.
Dann im Bootshaus aus den Sachen
ob die uns ‘nen Grog wohl machen?
Habt ihr ein Paar frockne Schuh,
Hose, Pulli noch dazu.
Klar, hier hast du meine Socken
sind zwar auch nicht mehr ganz trocken.
Nach und nach trifft ein die Meute
Mensch, war das ein Wetter heute.
Auf Leeraner Ruderfrauen
kann ein Havarist vertrauen
Kaffee kochen, Grog bereiten
mit dem eig‘nen Mann mal streiten:
Heute gibt‘s den Hummer nicht
Helfen ist hier erste Pflicht.
Nach Papenburg per KFZ
fährt sie noch ganz lieb und nett
um den Bus dort abzuholen.
Zwischendurch Ernst‘s Sachen kohlen
auf der Heizung, die sehr heiß
damit man uns im Warmen weiß.
Ernst schaut sich seine Jacke an
an welcher nun ein Muster dran.
Auch nicht schlimm,  ich mach eh Schluß
rudern bringt doch nur Verdruß.
Da, der Bus! Wir müssen los
Boote, schlammverkrustet bloß
„Gott sei Dank es fehlt nicht viel!“
Witten ist nun unser Ziel.

Die Moral von der Geschicht‘:

1. Trau dem Wanderbuch nur nicht!

2. Schleuse niemals in die See,
weil da Wind, oh jeminee

3. Frage Clubs, die dort zuhaus
denn die kennen sich dort aus

4.  Wettetamt wie wird das Wetter?
Kälter? Sturm? oh Donnerwetter!

5.  Brech‘ die Fahrt ab, eh‘s zu spät
Ich hoffe nun, daß Ihr versteht

Fritz Otto Braun


 

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