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24. März 1990

1988 Die Ruhr

Die Ruhr

Sie ist dem Mensch aus fernem Land
meist nur als Darmkrankheit bekannt.
Doch existiert sie auch als Fluß,
den man in Deutschland suchen muß.
Das Ruhrgebiet ist nach ihr benannt,
und sie entspringt im Sauerland.
Beim 235. Kilometerstein mündet sie bei Duisburg in den Rhein.
Doch weg von den Zahlen möchte man wissen:
„Wie sieht es denn so aus dazwischen?“

Seen und Talsperren sind gebaut,
in denen man das Wasser staut.
Trinkwasser wird hier entnommen,
aber Menschen, die das zu wörtlich genommen,
haben die Ruhr als Krankheit bekommen,
weil sie durch den Kemnader See geschwommen.
Wer vom „Saubersten lndustrie-Fluß Europas“ spricht,
vergesse das „Industrie“ vor Fluß besser nicht.

Doch die Ruhr zeigt zu allen Zeiten
sich auch von ihren schönen Seiten.
Im Frühjahr ergießt sie sich in großen Fluten,
das freut besonders die Kanuten.
Sie fahren gern durch wildes Wasser,
doch das freut gar nicht den Verfasser,
denn Ruderer können so nicht trainieren.
Auf Seen die Segler experimentieren
mit Wind und Wellen wie Surfer auch.
Nur Motorboote haben Verbrauch an Energie aus dem Kanister.
— Ein Sport für den extra-schönen Mister!
Bei „Sport“ darf man Angler nicht vergessen.
Ob die ihre Ruhrfänge wirklich essen?
Wenn Schlauchbootbesitzer paddeln wie wild,
bestimmen im Sommer die Menschen das Bild.

Doch morgens und an kühlen Tagen
haben die Tiere hier eher das Sagen:
In den Wiesen an der Ruhr sitzt ein großer, brauner Hase.
Er fragt sich dort: „Was mach ich nur?“,
denn das Wasser steht ihm bis zur Nase.
Der Grau-Reiher, der hat es besser;
mit einem Schnabel spitz wie ein Messer
und langen, dünnen Beinen kann er solche Probleme verneinen.
Auch eine Ente kommt geschwommen,
die sieht aus schon recht mitgenommen.
Mit dem Ruderblatt hat man sie erwischt,
was nun mal Enten nicht gerade erfrischt.
Auch Schwäne trifft man fast überall hier,
im Frühling verteidigen sie ihr Revier.

Man hat auch schon, Mensch, was war der schön,
einen Eisvogel an der Ruhr gesehn.
Ein Haubentaucher frißt ziemlich viel Fisch.
Auch Teichhühner finden gedeckten Tisch
bei schönen, bunten Groß-Libellen,
die andere Insekten in Schatten stellen.
Die Wasserratte ist gewiß
für viele Leute ein Ärgernis.
Möwen und Krähen wird indessen
nicht viel Beachtung zugemessen.
Doch, sind die Tiere noch so klein,
sie müssen wie auch Pflanzen sein.

Es gehört noch viel dazu, will man den ganzen Fluß beschreiben.
Ich hoffe, das ändert sich nicht im Nu,
denn Natur soll hier noch lange bleiben.
Vielleicht ist das Interesse für die Ruhr jetzt neu geweckt,
für Erholung ‘ne gute Adresse. Sieh mal nach, was man noch entdeckt!

Ina Schnurr

Anmerkung aus dem Jahre 2004:
Die Natur ist auch heute noch erhalten.
Und die Ruhr ist heute einer der saubersten Flüsse überhaupt.
Und Enten und Ruderer harmonieren bestens.