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1998 Tagesfahrt auf der Ruhr

 

Die traditionelle Wanderfahrt Schwerte Witten zu Himmelfahrt
Auch eine Fahrt durch die Geschichte des Ruhrgebiets

 

Auch in diesem Jahr wurde die Ruderwander-Saison mit der Wanderfahrt von Schwerte nach Witten eröffnet. Am 21. Mai machten sich 18 Ruderer - und zwar Karl Biedermann, Tom Blumberg, Fritz 0. Braun, Ulrich Düchting, Heinrich Frinken, Wolfgang Gassmann, Helmut Grabow, Wilfred Güthoff, Siegfried Held, Udo Kemmer, Rolf Kernebeck, Horst Noll, Eckard Schulz, Anton Schnurr, Dieter Wenig, Dieter Werner, Peter Wilhelm und Gustav Adolf Wüstenfeld - auf, um die Strecke unter den Kiel zu nehmen.

Der äußere Rahmen präsentierte sich wie gewohnt: Frühstücken im Kanu Club Schwerte, nach den ersten Ruderkilometern das verdiente Verdauungsschlückchen, Mittagsrast im Zweibrücker Hof, die nächste Rast im Ruderclub Mark Wetter. Gewissermaßen unter dem „Schutz“ der um 1250 erbauten Burg der Stadt Wetter ist ein Auszug in die Geschichte des Ruhrtals und seiner Ritterburgen, dargelegt am Schicksal der Burg Wetter, ein willkommener Abstecher vom alltäglichen Wanderrudererlebnis.

 

Im Ruhrtal bauten sich die adeligen Grundherren im 12./13. Jahrhundert ihrem Stand entsprechende Burgen von Hohensyburg über Wetter und Volmarstein, die lsenburg und Blankenstein bei Hattingen, Altenburg bis Horst. Es ging ihnen vor allem darum, sich in den ständigen Machtkämpfen um mehr Grundbesitz und im politischen Streit zu behaupten, der über viele Jahre zwischen den Grafen von der Mark und den Erzbischöfen von Köln herrschte. Letztere hatten zum Beispiel um 1100 die Burg Volmarstein als Stützpunkt errichtet, um ihren geistlichen und weltlichen Einfluß zu stärken. Die Burgherren von Volmarstein waren ihre Lehnsträger und mussten für sie kämpfen. Die Grafen Adolf 1. und Engelbert 1. von der Mark wehrten sich gegen die Ansprüche des Erzbischofs und bauten als Gegengewicht in der Mitte des 13. Jahrhunderts eine große Burg in Wetter an einer Stelle, von der das ganze Ruhrtal zu beherrschen war. Zur Hochzeit erhielt Engelberts Sohn Eberhard 1273 die Burg geschenkt. Er besiegte im Verlauf der ständigen Fehden gegen die Bischöfe von Münster und Köln als Engelbert II. (sein Herrschername) zunächst den Bischof von Münster. Dann belagerte er mit seinen Verbündeten die Burg Volmarstein zwei Monate, bis sich Dietrich von Volmarstein ergab und freien Abzug zu seinem Besitz in Heessen bei Hamm erhielt. Die Burg Volmarstein wurde zerstört. Die Grafen von der Mark ließen die Burg zwar wieder aufbauen, doch zerfiel sie im 16. Jahr-hundert. Von der Burg Wetter kämpften die Grafen von der Mark auch gegen die freie Reichsstadt Dortmund. Später residierten sie als Herzöge von Kleve in Kleve oder in Wesel. Wetter wurde Amtsitz der Drosten, die das Amt Wetter im Aufrage der Landesherren verwalteten. Doch im 17. Jahrhundert begann auch der Verfall dieser Burg.

Das mit dem Erhalt der Freiheitsrechte gewonnene Recht auf Selbstverwaltung behielt Wetter lange bei. Sie wurden auf einem Erben- oder Amtstag ausgeübt. Die Angelegenheiten des Amtes wurden - fast demokratisch - von den Bauern und Adeligen gemeinsam besprochen und geregelt. Als Bergamtsleiter erlebte der Freiherr vom Stein noch diesen Erbentag mit. Er bezog die hier erfahrene Selbstverwaltung der Gemeinden in seine spätere Reform der Gemeindeordnung ein.

So weit der Ausflug in die Geschichte unseres Ruhrtales.

Weniger erfreulich war der Ausflug mit unseren Ruderbooten. Auf der Weiterfahrt zu unserem Bootshaus war doch an der Klippe „weiße‘ Mauer ein Bootsschaden zu vermelden. Es war wohl eine Verkettung mehrerer unglücklicher Umstände, doch richtig ist auch, dass man sich in solchen Fällen strikt an die gegebenen Anweisungen halten sollte. Hoffen wir, dass wir im nächsten Jahr wieder alle genügend Wasser unter dem Kiel haben.

 

Karl Berghoff